St. Martin

Nach 5 Tagen Stacia geht es weiter. 35 Sm sind es bis nach Saint Martin bzw. Sint Maarten, denn die Insel hat zwei Namen.
Niederländer und Franzosen haben sich die Insel geteilt. Sie ist das Mekka aller Segler die Ersatzteile benötigen. Die beiden größten Schiffszubehörhändler haben dort ihre Flagstores, nur wenige hundert Meter von einander entfernt.
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Trotz der kurzen Distanz nach St. Martin geht es diesmal schon um 7:00 Uhr Anker auf, wir müssen die Brücken Öffnungszeiten beachten, denn wir wollen zunächst mal in der Simpson Bay Lagune ankern. Von dort sind die Wege zu den Händlern nicht so weit.

Es gibt eine Zufahrt von der französischen, nördlichen Seite der Insel und eine auf der niederländischen im Süden. Nach Hurrican Ivan ist die französische Zufahrt jedoch so versandet, dass es sich nicht ratsam ist von dort einzulaufen – jedoch ist das Einklarierungsprocedere auf der französischen Seite deutlich einfacher.
Wir bedienen uns eines „Tricks“, den uns unsere englischen Freunde von der Phantom Lady erzählt haben. Wir setzen die französische Gastlandflage und fahren in einem Zug von Süden durch die beiden niederländischen Brücken auf die französische Seite und klarieren dort ein. Naja, jetzt haben wir ein paar Euro Brückengebühr geprellt… schäm.

Schön ist es nicht in der Lagune, dem Ankernachbar kann man die Hand reichen so voll ist es und auch in das Wasser will man lieber nicht fallen, ziemliche Dreckbrühe. Aber man hat es nicht weit zu den Geschäften welchen wir am nächsten Tag den ersten Besuch abstatten. Es werden noch einige folgen ;-)
Obwohl die Preise hier dank fehlender Mehrwertsteuer die günstigsten in der Karibik sind, liegen sie oft beim doppelten der Europäischen. Da stöhnt die Bordkasse ordentlich.

Gut dass man dafür in einer der nettesten Seglerbars, dem Lagoonies, die praktischerweise genau zwischen den beiden Händlern plaziert ist, zur Happy Hour ordenlich sparen kann ;-) . Neben vielen interessanten Menschen aus aller Herren Länder die wir hier treffen, gibt es zweimal in der Woche noch Live Musik. Mal spielt eine Band oder es gibt eine Jamsession mit allen die Lust haben Musik zu machen.

Anke blättert eines Tages durch eine Tageszeitung und findet doch tatsächlich ein Bild von uns und einen Bericht vom Lionfisch-Informationstag in Stacia :-) . Jetzt haben wir es schwarz auf weiß, wir waren dort!

So langsam sind unsere Wassertanks leer und den Watermaker wollen wir in der Lagune nicht laufen lassen. Zudem sind die Libras inzwischen angekommen und ankern in der Marigot Bay im Norden der Insel.
So nehmen wir nach 7 Tagen Anker auf, passieren die Brücken und motoren mangels Wind die 11 Sm nach Norden in die Bucht.

Die Stadt macht auf uns einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Es gibt jede Menge Geschäfte, die fast allesamt eines gemeinsam haben, sie verkaufen entweder Schuhe oder Kleider und sie sind leer, wie die Straßen. Überrascht sind wir dann auch, als wir feststellen, dass gegen 17:00 Uhr alles schließt, Geschäfte, Restaurants, Bars…?
Zum Einbruch der Dunkelheit ist praktisch kaum mehr ein Mensch unterwegs. Der Grund hierfür ist die unglaublich hohe Kriminalität auf der französischen Seite der Insel.
So gibt es selbst für die Polizei bei Dunkelheit absolute „no go Areas“.
Angeblich wurde sogar der Polizeichef von Jugendlichen erschossen, als er sich weigerte die Schlüssel für sein Motorrad herauszurücken.
Der Grund für die extreme Kriminalität mag auch an einer nicht zu Ende gedachten Sozialpolitik liegen. In der Karibik ist es laut Reiseführer durchaus üblich das eine Frau Kinder von verschiedenen Vätern hat, die sich aber kaum um ihren Nachwuchs kümmern. Durch das relativ hohe Kindergeld sichern sich die Frauen ihren Unterhalt.
Spätestens aber nach der Schule stehen die Jugendlichen ohne Aussicht auf Ausbildung oder Beschäftigung auf der Straße. Der Schritt in die Kriminalität ist dann nur noch ein kleiner. Insbesondere wenn man täglich Megajachten und ausschweifendes Leben vor Augen hat.

Nach unzähligen Besuchen in Bau-, Supermärkten und Yachtausstattern wollen wir weiter.
Antigua steht auf dem Plan. Leider hat der Wind kein Einsehen und weht eher aus Ost bis Süd Ost statt aus Nordost, doch nach weiteren sechs Tagen in der Marigot Bay machen wir uns auf den Weg.
Rund 100 Sm liegen vor uns, so nehmen wir gegen 15:00 den Anker auf um durch die Nacht zu fahren.
Es kommt anders.
Nachdem wir uns zwei Stunden lang unter Motor gegen Welle und Wind nach Osten quälen setzen wir gegen 17 Uhr die Segel. Das Ergebnis ist ernüchternd, wir schaffen max. 3 Kn und können noch nicht einmal den geplanten Kurs halten, zu hoch am Wind. Überhaupt läuft Lili auf am Wind Kursen sehr schlecht bis gar nicht. Der Grund ist technischer Natur, zu wenig Spannung auf dem Vorstag, weitere Erklärungen würden jetzt zu weit führen.
Wohl oder übel nehmen wir noch den Motor zu Hilfe. Die Nacht ist stockdunkel und Lili wird plötzlich noch langsamer. Das kann ja wohl nicht sein denke ich und suche mit der Taschenlampe nach irgendetwas was wir hinter uns herschleppen.
Nichts zu sehen, aber irgend einen Grund muß es ja geben. Ich gehe auf Rückwärtsfahrt weil ich befürchte dass wir uns wieder jede Menge Seegras gefangen haben.
Fehler und Irrtum, denn in dem Moment als der Motor ausgeht taucht steuerbord eine Boje im Licht der Taschenlampe auf und jetzt kann man auch eine ca. 25 mm starke Leine erkennen die sich steil nach unten zeigend im Nichts verliert. Volltreffer!
Jeglicher Versuch die Leine mittels Motorkraft aus dem Propeller zu bekommen scheitert genaus so kläglich wie der, diese mit dem Bootshaken anzuheben und zu kappen. Eher zieht es mich selbst ins Wasser. Jetzt bleiben zwei Möglichkeiten, ich gehe ins Wasser und versuche die Leine zu kappen oder wir segeln weiter und versuchen irgendwo bei St. Barth das querab von uns liegt zu ankern.
Möglichkeit eins scheidet aus da viel zu gefährlich, erstens stampft Lilis Heck in den Wellen wie verrückt und ich habe keine Lust davon erschlagen zu werden, zweitens ist es stockdunkle Nacht, die Zeit der Jäger und wer sagt das nicht gerade ein hungriger vorbeikommt und denkt oh, da gibts ein Leckerlie. Das auch Möglichkeit zwei nicht funktioniert erfahren wir dann viele Stunden später, es gelingt uns einfach nicht Lili durch den Wind zu drehen um eine Ankerbucht anzulaufen. Die Geschwindigkeit von 2 Kn ist zu gering.
Warum ich die rettende Idee wie wir unser Schleppgewicht loswerden können erst im Morgengrauen, als wir beschlossen haben wieder zurück nach St. Martin zu laufen, habe – ich weiß es nicht, jedenfalls funktioniert es beim zweiten Versuch und wir machen wieder deutlich mehr Fahrt – Richtung St. Martin… .Sobald wir in in der Simpson Bay in eine Zone kommen die etwas geschützter gegen die Wellen ist, werfen wir Anker und befreien Lili von den Knoten in der Schraube. Kurzer Test mit dem Motor – alles i.O.. Jetzt verlegen wir nochmal, denn wir beschließen erst einmal hier zu bleiben. Unser Windfenster ist sowieso durch.
Sicherheitshalber klarieren wir ein, jetzt auf der niederländischen Seite. Die schauen auch ein wenig blöd als ich erkläre ja, es stimmt wir sind gestern in der Marigot Bay abgefahren und auch ordentlich ausklariert und eben jetzt gerade in der Simpson Bay angekommen, nachdem wir die ganze Nacht rund St. Bart gesegelt sind.
Der Wind ist uns nicht gnädig. Am 28.04. (vier Tage später) verlassen wir die Simpson Bay, es ist einfach zu ruppig und segeln wieder in die Marigot Bay im Norden (Natürlich wieder alles mit ein und ausklarieren ;-) ).
Hier warten wir mit unseren Schweizer Freunden eine weitere Woche auf ein Windfenster.
Dann endlich geht es los, wieder kämpfen wir uns unter Motor gegen 5 Bf aus Ost und können nach drei Stunden endlich Segel setzen und auf Kurs 130° gehen. Sehr müßam kämpfen beide Schiffe gegen die See.
BoilerUm 17:00 geht unsere Bilgenpumpe an. Ich gehe nach unten um Nachzusehen. Denn hin und wieder kommt es bei viel Lage daszu dass der Schwimmschalter trocken auslöst. Als ich das Bodenbrett hebe, erstarre ich dann erst mal, weil ich sehe dass unser Warmwasserboiler den wir erst neu im letzten jahr eingebaut haben dicke Backen macht. Ja und es ist auch Wasser im Bilgendbrunnen, gottseidank nicht sehr viel. Jedenfalls wollen wir so nicht weiterfahren. Schließlich läuft auch der Kühlkreislauf vom Motor durch den Boiler und natürlich muß ich den Boiler vom Wasserkreislauf trennen. Das geht vor Anker deutlich besser als draußen in ruppiger See.
Wir ändern den Kurs und laufen die Ile de Fourchne (St. Bart) an. Mit dem allerletzten Büchsenlicht können wir noch eine Muring ergattern. Ich ändere ein paar Schlauchanschlüsse und der Boiler ist quasi erst einmal kaltgestellt.
Am nächsten Morgen geht es weiter. Schließlich wollen wir jetzt endlich mal nach Antigua. Aber der Weg will erkämpft werden. 35 Stunden sind wir unterwegs auf der Kreuz als in dunkler Nacht unser Anker vor Jolly Harbour fällt….