Montserrat

Es ist noch dunkel als wir morgens um 4:00 Uhr den Anker lichten und Kurs 320° nach Montserrat anlegen. Rund 52 Seemeilen liegen vor uns und wir wollen mit ausreichend Puffer in Little Bay vor Anker gehen.
_1080645Schon von weitem kündigt sich die „tragische“ Insel durch ihren Schwefelgeruch an. Leider ist das Wetter sehr diesig so dass wir bei der Passage der südöstlichen Küstenlinie nur wenig von der durch den Vulkanausbruch im Jahr 1995 zerstörten Hauptstadt Plymouth sehen können. Soufriere Hills, der noch aktive Vulkan, hüllt sich in einen Mantel aus Rauch und Wolken. Fast der komplette südliche Teil der Insel ist Sperrzone. Je nach Aktivität des Vulkans werden kleine Bereiche für Besichtigungen freigegeben, jedoch ist es untersagt in diesem Bereich wieder zu siedeln. So stehen alle Häuser dort leer und geplündert. Nach dem verheerenden Vulkanausbruch verließen die meisten Einwohner die Insel, fast 12.000 waren es damals. Inzwischen sind einige von ihnen zurückgekehrt und versuchen einen Neuanfang auf dem nördlichen Teil der Insel, der als sicher gilt.
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Nachdem der Wind uns wohlgesonnen ist und pünktlich zur Kursänderung auf Ostnordost dreht können wir bis Little Bay, die wir gegen 13:00 Uhr erreichen, segeln. Die Bucht ist sehr klein, dafür sehr offen. Man hat uns bereits gewarnt vor schlechtem Ankergrund und starkem Schwell. Die wenigen Bojen sind entweder besetzt oder kommerziell genutzt, also bleibt uns nur Ankern. Beim dritten Versuch hält der Haken und auch der Abstand zu den anderen Schiffen stimmt.
Patrik von der Libra macht wieder Taxidienst, da ich die neuen Sitzbänke für unser Dingi noch nicht ganz fertig habe.
Das Einklarieren erfolgt erfreulich unkompliziert und sehr freundlich. Der „Hafen“ ist gleichzeitig auch Zoll Sperrbereich, so dass wir beim verlassen quasi jedes mal kontrolliert werden. Nach kurzer Zeit kennt man uns aber und wir werden mit einem freundlichen Lächeln durchgewunken. Kaum haben wir das erste Mal den Zaun passiert stürzen sich 3 Männer auf uns (riesige Kerle) und bieten ihre Taxidienste an. Erst mal wollen wir aber nur ein Bier trinken und finden gleich gegenüber eine typische Bar. Gelegentlich wird hier auch gegrillt und ein paar Tage später genießen wir dort Spare Ribs, Hühnchen und Goat Water (das ist eine typische Art Ziegenfleisch Gulasch).
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Die Menschen hier sind ausnehmend freundlich, alle winken einem zu. Jedoch, so scheint es mir zumindest, spürt man auch ständig ein wenig Melancholie bei den Menschen. Von Toni, unserem Taxifahrer den wir zur Erkundung der Insel anheuern, erfahren wir, wie schwer es für viele hier  nach dem Vulkanausbruch ist. Die meisten Familien sind zerrissen, da viele es nicht mehr auf der Insel ausgehalten haben und entweder nach England oder in die USA gingen. Von den Versicherungen gab es kein Geld, Häuser und Land sind verloren.
Toni fährt uns in eines der Randgebiete der Katastrophe. Auf den ersten Blick scheint alles normal, die Straßen sind gut befahrbar und die Natur hat sich überall üppig ausgebreitet, nur ist alles menschenleer. Dann gehen wir in ein ehemaliges Hotel und das Ausmaß wird einem schlagartig bewusst. Meterhoch liegt Asche in den Fluren und Räumen, der Swimmingpool ist inzwischen ein Biotop. Die Bilder sprechen für sich…

Später fahren wir noch in ein Lokal an der Küste. Es ist Sonntagnachmittag und das Lokal ist voll. Es ist Teil eines Hafenprojektes, eines Neubeginns. Wir kommen mit ein paar Leuten ins Gespräch, die fast ausnahmslos Neues wagen. Wir wünschen ihnen, dass es gelingt.
Zwischenzeitlich sind dann auch unsere Sitzbänke fürs Dingi fertiggestellt und es gibt ein großes Hallo als die Phantom Lady von Carol und Mike neben uns ankert, die wir im letzten Jahr in Portugal in Culatra kennengelernt haben. Da darf dann auch schon mal am Vormittag ein Bier getrunken werden ;-) .

Dann ist er auch schon da, der Tag weswegen wir eigentlich hier sind. Denn auf Montserrat wird der St. Patricks Day gefeiert, der Namenstag von unserem Schweizer Freund.
Mit unserem Taxifahrer Toni begeben wir uns nach Salem um dem grünen Spektakel beizuwohnen.
Bilder sagen mehr als Worte:

Kurz, es ist ein großes farbenprächtiges Gewusel, begleitet wie üblich von unglaublich lauter Musik. Und man fragt sich unwillkürlich wo denn alle diese Menschen herkommen? Nun, viele kommen zu Besuch in ihre alte Heimat und einige mit den Fähren von den umliegenden Inseln.
Wir genießen das bunte Treiben und die vielen Köstlichkeiten die überall an kleinen Ständen feilgeboten werden. Gegen Abend finden wir unseren Taxidriver Toni irgendwo in der Menge, der uns wieder zurück nach Little Bay zu unseren Schiffen bringt.
Zwei Tage später heißt es dann Abschied nehmen und es geht weiter nach Nevis und St. Kitts, wo wir hoffentlich einen ruhigeren Ankerplatz vorfinden.