Guadeloupe

_1080635Rund 24 Seemeilen liegen vor uns zu den Iles des Saintes, ein paar kleine Inseln südlich von Guadeloupe, auf denen wir auch für Guadeloupe einklarieren wollen. Die erste Nacht wollten wir unter gelber Flagge (nicht einklariert) in einer Bucht ankern um am nächsten Morgen zum Custom Office zu gehen. Auf der Seekarte haben wir schon eine Bucht ausgemacht, welche wir ansteuern.

Später liegen wir zwei Nächte in dieser Bucht, obschon wir sie, nach einem ordentlichen Ritt bei 5 – 6  Bft. über den Kanal zwischen den Inseln, zunächst verschmähen. Zu voll. Wir fahren weiter, schließlich gibt es noch mehr Buchten hier zwischen den Inseln.
Hatten wir erwartet zwischen den Inseln Windschutz zu finden, wurden wir sehr enttäuscht, es schien noch mehr als draußen zu blasen. Dazu noch aus verschiedenen Richtungen. Das schafft nicht sehr viel Vertrauen.

Wir grasen die ausgewiesenen Ankergebiete ab, aber überall sind gelbe Bojen, die ein Gebiet abstecken, in dem man nur an einer Boje festmachen, aber nicht ankern darf. Die Bojen sind natürlich alle besetzt. Und die Gebiete liegen genau dort wo es ankerbare Tiefen gibt, so 6 – 7 Meter. Außerhalb sind es 22 Meter mit unbekanntem Grund. Nee, darauf können wir alle verzichten.
Nach fast zweistündiger Suche fahren wir zurück an den ursprünglich ausgewählten Ankerplatz in einer relativ engen Bucht. Und siehe da, 2 oder 3 Schiffe die zuvor noch darin lagen sind zwischenzeitlich weg und es gibt wieder Platz für uns. Während der Anker bei der Libra auf Anhieb hält müssen wir unseren drei mal werfen, bis er den richtigen Grund findet um sicher zu halten.
So hundertprozentig wohl fühle ich mich in der Bucht nicht, trotz Nordost Wind Lage steht teils starker Schwell in die nach Süden offene Bucht. Da nicht vorauszusehen ist ob wir am nächsten Tag eine freie Boje ergattern können, bleiben wir eine weitere Nacht unter gelber Flagge liegen, um dann nach Pointe-A-Pitre auf Guadeloupe aufzubrechen.
Die Überfahrt ist heftig, der Himmel in bleigrau, der Wind in unbeständigen Böen. Wir müssen hoch an den Wind, mal 10, dann wieder 25 Knoten Wind. Mühsam kämpft sich Lili durch die Wellen, teils drohen wir stehen zu bleiben. Hoch am Wind, das ist nicht Lili´s Disziplin.
Als wir nach einer Wende nur noch 1,5 Kn Fahrt machen, setzen wir schweren Herzens die Dieselfock. Klar könnten wir hier noch ein paar Stunden hin und her kreuzen, aber es gibt zwischendurch immer wieder Squalls. Dann springt der Windmesser schon mal auf die 40 Kn und es gießt wie aus Kübeln. Ganze fünf von den Sqalls erwischen uns und ich kann mich nicht erinnern, jemals an einem Tag so oft geduscht zu haben ;-) . Dabei kommt der Regen zunächst genau horizontal von vorn. Sozusagen die Dreckfräse ;-) , dann, mit einem Schlag ist der Wind weg und der Regen fällt senkrecht vom Himmel. Dann bin ich immer froh, dass ich nur mit U-Hose bekleidet segeln kann ;-) . Nass bis auf die Knochen.
Immer in der Hoffnung doch noch segeln zu können, motoren wir unserem Ziel entgegen. Die Libra, die bei leichtem Wind auch besser läuft, versucht es weiter, setzt aber auch irgendwann die Dieselfock um später tatsächlich noch einen segelbaren Wind zu fangen. Da befinden wir uns bereits im riesigen Hafenbecken von Pointe-A-Pitre und loten die Ankerplätze aus.
Einer davon, nah am Hafen, ist überfüllt, da können sich schon alle die Hand schütteln. Nee, das ist uns zu eng. Gegenüber gibt es noch ein weitläufiges Ankerfeld mit reichlich Platz, das ist uns lieber. Natürlich wird die Dingistrecke deutlich länger, dafür können wir nachts ruhig schlafen.
Pointe-A-Pitre ist ein Industriehafen, das Wasser trübe, da will man nicht hineinfallen, geschweige denn baden. Dafür gibt es viele Geschäfte. Hier lassen wir auch endlich mal unsere Segelpersenning nähen. Die Reissverschlüsse waren mit der Zeit gebrochen und wir konnten die Persenning nicht mehr schließen. Die Arbeit wurde überaus schnell und zu akzeptablem Preis ausgeführt. Trotzdem empfinden wir hier alles als recht teuer.
Wir unternehmen einen Spaziergang in die Stadt, müssen dabei quer durchs „Rotlichtviertel“, kommen an etlichen kleinen Restaurants (welche man aus unserem Gesichtspunkt wohl eher als Imbissbude bezeichnen würde, wobei das Essen bisher immer sehr lecker war) vorbei, um schließlich auf einem großen Platz, der sehr touristisch anmutet, zu landen.
Unter einem großen Zelt befindet sich eine Art Markt, der nur für die Touristen aufgebaut ist, die hier, von den Kreuzfahrtschiffen ausgespuckt, durch die Gassen strömen. Bei genauerer Betrachtung findet sich auf den geschätzt 50 Ständen immer das genau gleiche Warenangebot. Die Verkäuferinnen tragen farbenfrohe Kostüme (die wir auf normalen Wochenmärkten bisher noch nie gesehen haben) und alle Säfte, Liköre, etc. sind in identischen Flaschen abgefüllt.
Hier wird die Karibik in ein verkaufbares Format gepresst, wobei das für uns wichtigste verlorengeht, die unglaubliche Vielfalt und die lebensfrohen Menschen, die hier zu Darstellern degradiert werden.
Der Ort erscheint (für karibische Verhältnisse) sauber und aufgeräumt. Viele Geschäfte gibt es, sogar ein Musikgeschäft und da Patrik mit Mundharmonika spielen beginnen will, gehen wir einfach mal hinein. Englisch spricht man leider nicht, dafür ist es einfach mal interessant in einem karibischen Musikgeschäft zu stehen. Raus gehen wir mit einer Mundharmonika (leider in der falschen Stimmlage, C hatten sie nicht) für Patrik und ich glaube, er konnte es kaum erwarten mit dem üben anzufangen. Später bekommen wir noch eine Lektion zur Preisfindung, aber das wird jetzt zuviel – man kann sagen wir hatten Spaß.
Seit den Kanaren haben wir ein kleines Ankerproblem. Er will einfach nicht greifen und es benötigt fast jedes mal 2 – 3 Versuche. Zuvor war das ganz anders. Aber auf den Kanaren hat sich der Anker mal hinter einem Stein verhakt und es war ein recht hartes ausbrechen. Dabei hat sich der Kettenwirbel etwas verbogen und nun scheint der Anker nur auf dem Rücken, oder seitlich liegend über den Grund zu schrabben. Da fängt man an sich Gedanken übers Ankergeschirr zu machen und denkt auch über den Einsatz eines anderen Ankertyps nach.
Am schwarzen Brett, im Hafenbüro wird ein gebrauchter Anker von einem Franzosen unter einem „großen“ Namen angeboten. Das Gewicht und auch der Preis würden passen. Zusammen mit Patrik schaue ich mir den Anker an, es handelt sich aber um ein anderes Model das nur ähnlich aussieht. Patrik hatte einen solchen an Bord, hat ihn aber verkauft weil er nie richtig gehalten hat. Schade, dafür erfahren wir nebenbei, dass ein anderer Ankertyp, den ich ebenfalls schon mal in die engere Wahl gezogen hatte, auch nicht das gelbe vom Ei ist, da er sich nach einer Richtungsänderung (wie sie durch Schwell, Wind oder Gezeitenströme vorkommen) nicht selbst wieder eingräbt. Eine in meinen Augen sehr wichtige Eigenschaft. Der Franzose hat sich offenbar zweimal verkauft. Ich habe wieder etwas gelernt und werde weiter schauen.
P1060993Wir freuen uns Pointe-A-Pitre zu verlassen und verlegen uns an die 3 Sm entfernte Insel Gosier. Es stellt sich heraus, dass dies wohl das sogenannte Naherholungsgebiet für die gehobenere Klasse von Pointe-A-Pitre zu sein scheint.
Die kleine Insel wird am Wochenende geradezu überrannt, überall stehen dann Grills die privat oder gewerblich betrieben werden herum und es hat uns deutlich zu viele Menschen.
Eines morgens versucht unser Dingi zu flüchten (wieder mal). Gerade war ich noch am Dingi, gehe kurz runter in den Salon und als ich wieder nach oben komme sehe ich es bereits rund 50 Meter weit entfernt treiben. Ich nehme mir noch die Zeit Flossen anzuziehen (die natürlich erst mal wieder gefunden werden müssen) und springe ins Wasser. Schnell stelle ich fest, dass ich schon sehr lange nicht mehr wettkampfmäßig geschwommen bin. Andere Gott sei dank schon, denn eine vorbei kommende Schwimmerin hält unser Dingi fest. Ich danke ihr und lade sie auf einen Kaffee ein, aber sie will weiter schwimmen. Zurück an Bord, bin ich ziemlich groggy und überhaupt, wie konnte das passieren? Nun, der Draht an dem die Leine befestigt ist, mit dem das Dingi angebunden wird, war gebrochen.
Kurze Zeit später lernen wir noch wie dankbar wir wieder einmal sein können, dass wir hier auf diesen Umstand aufmerksam gemacht wurden und wie wichtig ein Dingi ist.
Als wir unseren Ankerplatz Richtung Pigeon an der Westküste von Guadeloupe verlassen, sieht alles nach einem normalen Segeltag mit Wind zwischen 15 bis 25 Kn aus. Seit Martinique haben wir unser Dingi hinter her geschleppt, und es hat super funktioniert. Deshalb entscheiden wir auch für diese Strecke, das Dingi wird geschleppt. Ein Fehler.
Als wir das Südwestliche Kap von Guadeloupe runden, werden aus 25 plötzlich 42 Kn Wind. Wir haben zwar nur die kleine Genua gesetzt und das erste Reff im Groß aber das ist natürlich immer noch viel zu viel Tuch, deshalb laufen wir erst mal ein Stück ab und schrecken damit einen Frachter auf, der neben uns läuft. Eifrig betätigt er sein Horn. Gleichzeitig stelle ich bei einem Blick nach hinten ungläubig fest, dass unser Dingi komplett mit Wasser gefüllt ist. Als ich das nächste Mal hinschaue schwimmt es Kopfüber. Wir sind zu schnell und die Wellen zu hoch. Ich will beidrehen um das Dingi zu retten, was bei dem jetzt herrschenden stampfenden Seegang wohl ein Himmelfahrtskommando wäre, trotzdem, ein Versuch wenigstens. Aber wir schaffen es nicht, Lili durch den Wind zu drehen. Sie bleibt in der stampfenden See stecken und wird zurückgeblasen. Gut, dann reffen wir jetzt erst mal, Genua fast weg und Groß im dritten Reff. und die See kocht.
Wieder begegnen wir dem Frachter, der jetzt auf dem Weg zum Hafen unseren Kurs kreuzt. Er kennt die Regeln (hat sicherlich gesehen dass wir etwas Stress haben) und will diese auch befolgen, aber er muss gerade durch eine schmale Fahrrinne manövrieren und das geht nur, wenn er Fahrt macht. Auge und AIS sagen, das klappt nicht, das wird ein Crash, über Funk teilt uns der Kapitän seine Lage mit. Ok, dann treten wir jetzt mal auf die Bremse und drehen in den Wind um den Frachter durchzulassen.
P1070004Unser Dingi hat sich zwischenzeitlich der beiden Sitzbänke und der Paddel entledigt, hängt aber immer noch an der Leine. Nach ca. einer Stunde ist der Wind dann abgeschaltet, nichts. Der Motor wird gestartet, das Groß lassen wir als Stützsegel stehen. Dann, 2 Seemeilen vor unserem Ankerplatz stürzen sich wieder grau schwarze Wolken von den Gipfeln der Insel herunter und der Windmesser zeigt  zwischen 35 und 40 Kn an. Es bricht ein regelrechtes Inferno aus, die Sicht ist durch den Regen derart eingeschränkt, das wir die Libra, die direkt vor uns läuft, nicht mehr erkennen. Über Funk haben wir uns verständigt, ob wir gleich weiter segeln, oder versuchen hier einen Platz zu ergattern.
Einen Versuch wollen wir wagen. Die Libra findet schnell ihren Platz, wir benötigen ein paar Versuche bis der Anker hält. Per Funk teilen wir der Libra mit, das wir kein funktionstüchtiges Dingi mehr haben. Gut wenn man Freunde hat. Patrik macht nicht nur den „Fahrdienst“ sondern hat auch noch die zum Bau neuer Sitzbänke notwendigen Leisten an Bord, die er mir einfach mit gibt. Uns passiert schon sehr viel schönes.
Hier befindet sich der Jacques Cousteau Waterpark. Dadurch an Land etliche Tauchbasen und kleine Restaurants. Weiter südlich gibt es auch zwei Supermärkte, denen wir einen Besuch abstatten. Eigentlich erst mal zur Orientierung, so richtig wollen wir dann am nächsten Tag einkaufen, zuvor aber mit dem Bus nach Deshaies fahren um dort auszuklarieren.
Nachdem wir am nächsten Tag rund eine drei viertel Stunde an der Bushaltestelle stehen, fragt Patrik an einem Kiosk nach, wann denn der nächste Bus kommt und erfährt das heute gar keine Busse fahren, es ist Feiertag. Über ein paar Umwege wird ein privater Fahrer organisiert, der uns dann in rasanter Fahrt nach Deshaies bringt. Wir erledigen die Formalitäten und haben noch Zeit etwas einzukaufen, was sich später, als wir zurück kommen und beide Supermärkte geschlossen vorfinden, als Glücksfall erweist.
Nun wird es Zeit zu unserem Ziel zu segeln. Auf Montserrat wird am 17. März der St. Patricks Day gefeiert und Carol und Mike von der Phantom Lady haben uns per Email mitgeteilt, dass sie auch kommen werden :-) ).Wir haben die beiden im letzten Jahr in Portugal kennen gelernt und auf ein Wiedersehen in der Karibik gehofft.
Guadeloupe hat uns einiges abverlangt, die Insel ist sicherlich schön, aber doch sehr europäisch geprägt. Und es geht der Spruch, dass man bei der nächsten Querung die Insel durchaus rechts oder links liegen lassen könnte. Was möglicherweise ungerecht ist, da wir ja nur einen Bruchteil der Insel gesehen haben.
Jetzt sind wir erst einmal gespannt auf Montserrat, das etwas abseits der üblichen Segelrouten liegt…