Dominica

Dominica, die Grüne Insel wird sie genannt, wegen des üppig wuchernden Regenwaldes und, so heißt es, würde Kolumbus in die heutige Zeit zurückkehren, würde er Dominica am ehesten wieder erkennen – so ursprünglich soll sie geblieben sein.

Sowohl Vreni und Patrik als auch Carol und Mike (die wir hoffen bald wiederzusehen) haben von der Insel geschwärmt – entsprechend gespannt sind wir also, als wir am Montag den 16.02. um 6:20 Uhr den Anker lichten.

Rund 37 Sm liegen vor uns und wir wollen möglichst noch rechtzeitig zum Einklarieren ankommen.

Der Windmann schläft noch, also laufen wir unter Motor aus der Bucht von St. Pierre und nutzen die Gelegenheit mit dem Watermaker unsere Wasservorräte aufzufüllen.

Zwei Stunden später erwacht der Windmann und schenkt uns mit 16 – 20 Kn aus Ost einen herrlichen Segelwind für die Passage. Perfektes Karibiksegeln unter Sonne, strahlend blauem Himmel und tiefblauem Wasser mit kleinen weißen Schaumkrönchen – Seglerherz was willst du mehr?!

Zwischen den Inseln gibt es eine leichte Düse und es wird etwas sportlicher ohne anstrengend zu sein. Lili zieht in Rauschefahrt durchs Wasser, während sich am Horizont immer deutlicher die grüne Insel abzeichnet.

_1080137Bis kurz vor unserem Ziel, der Hauptstadt Roseau, hält der Wind durch, dann ist ziemlich abrupt Schluss. Dafür bereitet uns Dominica einen besonderen Empfang. Die Libra gibt über Funk durch, dass sie sich inmitten einer Herde schlafender Schweinswale befindet und wir stoßen dazu. Leider zeigen uns die Tiere nur ihre Rückenflossen und ab und an eine kleine Fontäne – trotzdem eine schöne Begegnung.

Weiter geht’s unter Motor in die Bucht von Roseau und schon kommt der erste Boatboy angedüst und bietet uns seine Dienste an. Da die Libra schon einmal hier war und gute Erfahrungen mit dem Wettbewerber (der uns auch schon von Carol und Mike empfohlen wurde) gemacht hat, lehnen wir erst mal dankend ab.

Irgendwann erscheint dann „Mr. Pancho“ und erkennt auch die Libra wieder. Leider hat er keine Bojen mehr frei, dirigiert uns aber an einen Platz wo wir den Anker werfen und er uns mit einer Heckleine zum Land festmachen will. 50 m Leine will er haben und während ich noch überlege wie ich diese denn zusammen stückeln soll, klingelt es mal wieder im Kopf. Seit Portugal fahren wir ja ein neues Ausrüstungsteil spazieren, 50 m Ankerband auf einer Rolle (ja, wir waren doch sehr lang auf offenen Wasser unterwegs, da vergisst man schon mal, was man so alles dabei hat ;-) ).
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Flugs befestige ich eine Festmacherleine am Ankerband und übergebe diese Mr. Pancho der damit zum Strand flitzt und uns an einer Palme festbindet.

So weit so gut, leider stellt sich heraus das unser Anker nicht hält und nun hängen wir da, das Heck an eine Palme gebunden mit slippendem Anker. Gut das der Motor funktioniert, denn dicht um uns herum liegen andere Schiffe an Bojen. Um den Anker neu zu setzen muss die Landleine losgemacht werden, aber von Mr. Pancho ist plötzlich nichts mehr zu sehen. Naja, wir sind in der Karibik und die Einstellung zur „Arbeit“ der Menschen hier ist eine andere als wir sie gewohnt sind.

Gut das die Libra inzwischen festgemacht, Patrik das Dingi bereits zu Wasser gelassen hat und uns zu Hilfe kommt. Das Procedere wird wiederholt, diesmal hält der Anker und Patrik macht erneut die Landleine fest – geschafft.

Ein kurzes Bad im kristallklaren Wasser, dann setzen Patrik und ich uns ins Dingi und fahren zum Customs Office. Während das Einklarieren auf den französischen Inseln inzwischen erfreulich einfach an einem PC mittels Eingabeformular von statten geht, sind hier noch mehrere Beamte notwendig. Diese sind heute in relativ ausgelassener Stimmung, Karneval eben.

Unser Hinweis das wir bereits über Sailclear (eine Internetplattform auf der die erforderlichen Angaben zum Einklarieren vorab übermittelt werden) einklariert haben, erzeugt erst einmal Stirnrunzeln.

Eine jüngere Beamtin wird gerufen, welche sich dann an den einzigen PC setzt und nochmals sämtliche Angaben abfragt. Irgendwann ist es geschafft, der Bürokratie ist Rechnung getragen, nun geht’s ans bezahlen. Da heute Public Holiday (Rosenmontag also Feiertag ist), kostet das ganze 60 EC (Eastcaribbean Dollar,10 EC = ca. 3,30 Euro ) mehr. Patrik hat Gott sei dank genügend EC dabei, wir hatten noch keine Gelegenheit welche zu wechseln.

Zwei Wochen dürfen wir nun hier bleiben und können die Insel ohne auszuklarieren wieder verlassen. Ein besonderer Service der Regierung von Dominica.

Wir gehen wieder hinaus auf die Straßen und genießen den besonderen Charme von Roseau.

Überall sind anlässlich des Karnevals Stände aufgebaut die diverse kalte Getränke und / oder gegrillte Hühnerschenkel offerieren. An einem genehmigen wir uns ein kaltes Caribe Bier und kehren dann zu unseren schwimmenden Inseln zurück. Morgen wollen wir uns die Karnevalsumzüge anschauen.

Zwischendurch gibt es immer wieder für kurze Zeit den „Liquid Sunshine“ (flüssiger Sonnenschein), so wird der Regen auf Dominica genannt, und er fühlt sich auch so an.

Nach einem morgendlich erfrischenden Bad im Meer fahren wir am nächsten Tag gemeinsam an Land um den Karneval zu erleben und werden nicht enttäuscht.

Im lebensfroh, aus mannshohen Boxen, hämmernden Rhythmus der Musik, bewegen sich die farbenprächtig geschmückten Gruppen durch die Gassen. Ein Fest für die Sinne. Wir erfreuen uns an dem Spektakel und schießen eifrig Fotos, wohl bewusst das sich das ganze in seiner Komplexität leider nicht einfangen lässt. Hier ein paar Eindrücke:

Sieben Tage bleiben wir in Roseau. Wir gehen auf den Markt, trinken Kokosnussmilch aus frisch aufgeschlagenen Früchten, kaufen Gemüse, Brot und frischen Fisch (den wir später auf der Libra, liebevoll von Vreni vorbereitet mit selbst eingelegtem Ingwer und noch anderen Leckereien als Sushi genießen) und wir erfreuen uns an der Lebendigkeit und Freundlichkeit der Menschen.

P1060548Mit dem Local Bus (das sind Kleintransporter die überall an der Straße die Leute einsammeln und einen oft bis vor die „Haustüre“ fahren) besuchen wir den Bubble Spa in Soufriere. Hier hat ein findiger Einheimischer mit großen Steinen ein Bad abgesteckt in dem sich das Meerwasser durch unterirdische heiße Quellen erwärmt. Leider hat die Bar, die gleich daneben steht und angeblich den leckersten Rumpunsch offeriert, heute geschlossen. Trotzdem können wir ein heißes Bad im Becken genießen.

Schlicht, wir leben den karibischen Traum.

Unter den misstrauischen Blicken eines Security Menschen kaufe ich im lokalen Wholesale ( wir haben alles) für 7,29 EC eine Machete (also nicht einmal 3 EUR) um zukünftig Kokosnüsse selbst öffnen (schlachten) zu können. Diese ist leider ziemlich stumpf (vermutlich aus Sicherheitsgründen) aber mit dem eifrigen Einsatz einer Feile und abschließend der Bearbeitung mit dem von Patrik geliehenen Schleifstein wird sie so scharf, dass die später erbeuteten Kokosnüsse der Klinge nicht widerstehen können.

Wir gehen wieder Anker auf und fahren 9 Sm weiter nach Mero. Vor einem schönen Sandstrand fällt der Anker. Wieder ein völlig anderes Bild und andere Eindrücke

Am nächsten Tag fahren Patrick und ich mit dem Dingi an den Strand zur Jagd. Die Beute ist bald ausgemacht und die Jagd kann beginnen, wobei ich dabei eher nur Schmiere stehe :-) , denn Patrik erklimmt die Palmen und wirft die kostbare Beute herunter – ich muss da erst noch mal ein bisschen üben ;-(.

Trotzdem, großzügig wie die Schweizer sind, teilt er brüderlich mit mir die Beute :-) Juhu, jetzt gibt’s zum ersten Mal auf Lili selbst geschlagene Kokosnuss. Macht erst mal jede Menge Arbeit, der Lohn danach ist um so süßer :-) .

Weil wir die bisher gestellten Aufgaben so gut geschafft haben, gibt’s dann von einem anderen Schweizer, den wir in einer (leider geschlossenen) Strandbar kennenlernen, einen ganz heißen Tipp. Hier um die Ecke gibt es einen Supermarkt, nur 5 Minuten die Straße hoch. Wir schauen uns ungläubig an, hat uns noch nie einer was von erzählt. Wir beschließen unsere Damen abzuholen und dem Supermarkt einen Besuch abzustatten. Als wir dort ankommen kippen wir fast aus den Latschen. Hatten wir einen hier üblichen größeren Tante Emma Laden erwartet, finden wir uns in einem Supermarktparadies in dem es fast alles gibt, wieder.

Solche Tipps sind wie die Goldmünzen, die einem, in einem Computerspiel, immer wieder mal zugesteckt werden. Und sie werden natürlich sofort weitergegeben – Mike und Carol waren später völlig von den Socken, sie kennen die Insel gut und sind dort schon viel herumspaziert, kannten aber den Supermarkt nicht.

Wir genießen Mero, die Ruhe, das vor Anker liegen, das Leben.

Wenn auch deutlich langsamer, als im „alten Leben“, läuft aber auch hier die Uhr. Die zwei Wochen die wir ohne auszuklarieren die Insel verlassen können, neigen sich dem Ende zu.

Außerdem gibt es inzwischen auch einen weiträumigen Zeitplan, quasi ein Ziel.

Und nach einer kurzen Überlegung, ob wir erst mal eine andere Strecke fahren um Carol und Mike auf Antigua wiederzusehen und dabei möglicherweise auch noch die High Flight zu erwischen, mit denen wir letztes Jahr einen Abend in Figueira da Foz in Portugal zusammen waren, entscheiden wir uns erst mal weiter mit der Libra zu fahren, vielleicht kommen Carol und Mike ja zu unserem Ziel.

Zunächst geht es aber noch einmal 11 Sm weiter in die Bucht von Portsmouth, dort wollen wir auch einen Ausflug in den Indian River machen.

Wir ankern sehr weit südlich, der nördliche ausgewiesene Ankerplatz erscheint uns zu überfüllt, wir wollen nicht auf Handschlagnähe mit anderen zusammenliegen. Der Preis dafür, eine lange Dingi Fahrt über relativ raues Wasser. Da kommt man hübsch nass an Land oder später wieder auf dem Boot an. Vor allem unsere Damen veranstalten fast einen „Wet T-Shirt Contest“ da sie auf der vorderen Bank sitzend am meisten abbekommen ;-)

Am nächsten Tag nehmen wir dann die Dienste eines Boatboys in Anspruch (man kommt einfach trocken an) um ein paar Einkäufe auf dem Markt zu machen.

Portsmouth hat einen völlig anderen Charakter als Roseau obschon größenmäßig vergleichbar. Trotzdem genießen wir auch hier das Leben auf den Straßen und die Freundlichkeit der Menschen.

Wer von uns geht schon völlig frei auf einen anderen Menschen zu wünscht einen guten Tag, fragt nach dem woher und wohin und kann vielleicht einem Fremden mit ein paar Tipps hilfreich sein?

Nie in meinem Leben sind mir solche Menschen begegnet, es sei denn sie wollten mir etwas verkaufen. Und so steht erst einmal Misstrauen gegen Offenherzigkeit.

Je öfter man sich dann einen Irrtum eingestehen muss, desto offener wird man.

Einmal dreht sich ein Herr in schwarzem Anzug, weißen Hemd, tadellosen Schuhen und gebundener Krawatte, der gerade aus einer Tür auf die Straße trat, zu uns und begrüßt uns mit Handschlag. Fragt woher wir kommen, ob uns die Insel gefällt und freut sich sichtlich, als wir unsere Begeisterung über Land und Leute kund tun. Er erzählt das er auf Dominica geboren, jetzt in New York lebt, aber nicht sicher ist ob es nicht ein Fehler war Dominica zu verlassen. Wünscht uns noch einen schönen Aufenthalt und gute Reise. Eine schöne Begegnung. Es gibt viele davon.

Wir fühlen uns überall auf der Insel wohl und sicher.

Über unser Taxiboot buchen wir auch den Indian River Ausflug.

Pünktlich werden wir abgeholt und mit dem Motorboot zum Delta des Indian Rivers geschippert. Dort gibt es neben einer kleinen Bar, bei uns würde man wohl Pommesbude sagen, auch noch fußläufig eine Bank mit Geldautomat und das Verkaufscenter für die Eintrittskarten für den Naturpark Indian River, die wir lösen müssen. Es ist ein kleiner Beitrag zur Erhaltung der Natur, den wir gerne leisten.

Dann steigen wir ins Ruderboot und werden von unserem Guide in eine Wunderwelt entführt. Soviel grün, wachsen, sprießen, es ist überwältigend. Die Wurzelformationen erinnern an einen Märchenwald, überall entdeckt man Figuren, Gesichter oder Dämonen. Aber seht selbst:

Später dann kommen wir an einer Taverne an, wir sind die einzigen Gäste. Es gibt einen mit viel Aufwand angelegten Garten der auch ein paar Gesellen beherbergt an deren Folgen der Begegnung ich noch etwas zu knabbern habe, wie man auf dem Bild sieht. Alle werden gebissen, aber mein Körper scheint auf das was die Jungs mir da eingespritzt haben besonders freudig zu reagieren, deshalb habe ich die größten und die meisten Pusteln.

Später sehen wir andere in den Ruderbooten aus dem Indian River zurückkehren, die sich an den Unterschenkeln kratzen und grinsen verschmitzt. Geteiltes Leid ist halbes Leid ;-) .

Aber wir müssen uns jetzt von der Insel trennen. Good by Dominica, es war sicher nicht unsere letzte Begegnung. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn wir in ein paar Monaten wieder in den Süden fahren und vor deiner Küste Anker werfen.