Martinique

_1080098Nach ein paar Stunden Schlaf wachen wir auf. Da wir die ganze Überfahrt der gleichbleibenden Wachwechsel und der Intermar Funkrunden wegen nach UTC gelebt haben, gibt es jetzt eine Art Jetlag – aber nach hinten – denn wir sind ja jetzt 4 Stunden früher dran, was sehr angenehm ist.
Über Funk erreichen wir die Pancho und da die beiden ihren Ankerplatz verlegen wollen, verabreden wir uns gemeinsam einen neuen zu suchen. Wir sehen sie ja auf dem AIS und wollen ihnen folgen. Dies klappt auch wie am Schnürchen.
Zuvor haben wir aber noch ein anderes Highlight. Auf dem AIS taucht kurz vor uns noch ein anderes Schiff auf. Velsheda, mmhh denke ich, der Name kommt mir doch irgendwie bekannt vor – und dann klingelt es, das ist eine der letzten 3 J Class Yachten, oder eben doch nur ein Schiff das sich mit diesem berühmten Namen schmückt?
Nein, wir sehen sie vor uns, eine echte Schönheit – unglaublich, dass wir das live sehen und fotografieren dürfen. Schnell, schnell rufe ich zu Anke, bring eine Kamera nach oben und es gelingt uns ein paar Fotos zu machen die wir Euch nicht vorenthalten wollen ;-) .

WOW was für ein Start in der Karibik. Gleich zur Begrüßung eine der berühmtesten Yachten zum greifen nah.
Wir fahren in respektvollem Abstand vorbei, der Skipper erwidert unseren Gruß und kurze Zeit später sehen wir die Pancho vor uns.
Wir folgen ihr ins Ankerfeld, suchen in dem völlig überfüllten Gedränge einen Platz und ankern schließlich da wo es eigentlich nicht erlaubt ist. Wegen der Regatta wird aber wohl eine Ausnahme gemacht und niemand schickt uns weg.
Wir machen unser Dingi klar und kurz darauf gibt es erst mal ein großes Hallo mit Tina und Thomas von der Pancho.
Danach geht es zum einklarieren, völlig problemlos am PC im Hafenmeisterbüro. Dann schauen wir uns etwas um.
Le Marin hat sich völlig verändert. Das letzte mal waren wir 2008 hier und die einst beschauliche Marina hat sich in ein Schicki-Micki Eldorado verwandelt. Überall finden sich in neu erbauten Gebäuden unzählige kleine Geschäfte, Bars und Restaurants. Die Preise lassen einen erschaudern. Z.B. Cola aus der Büchse 0,33l = 3 EUR. Ein Kippschalter Miniausführung  8 – 10 EUR (den gibt es in Deutschland beim einschlägigen Elektronik Handel für unter 1 EUR – das ist China Massenware). Ein Logbuch = 35 EUR usw.. Es gibt zwar fast alles zu kaufen, aber die Preise treiben einem „Normalo“ die Tränen in die Augen.
Nüchtern betrachtet ist dies ja auch kein Wunder, von irgend jemandem müssen ja die Megayachten die hier liegen bezahlt werden. Neid? Nein, ganz sicher nicht. Eher Kopfschütteln. Und als Konsequenz – Konsumverzicht, dann kaufen wir hier eben nichts, bzw. wirklich nur das allernötigste.
Das trifft zwar wieder erst einmal die falschen – nämlich die Kleinunternehmer die hier ein Ladengeschäft betreiben, vielleicht führt es aber auch irgendwann mal zu der Erkenntnis das es so nicht funktioniert und alle Beteiligten finden auf den Boden der Tatsachen zurück. Ein Traum? Ja! Aber vielleicht irgendwann Realität.

Tina und Thomas laden uns zum Fischessen auf die Pancho ein. Zwar nicht selbst gefangen, aber selbst von Thomas zubereitet und wir nehmen gerne an.
Irgendwann fragt Anke, wo ist denn unser Dingi? – weg, nicht mehr da – oh sch…. und das in der Karibik.
Sofort macht Thomas sein Dingi klar und fährt mit mir das Ankerfeld ab. Die Strömung geht Richtung Land. Wenn das Dingi dort irgendwo antreibt, ist es weg. Es gibt hier genügend arme Menschen für die so ein Dingi mit Außenborder quasi ein Sechser im Lotto wäre.
Thomas sieht es als erster, dort an einer Ovni (Aluminiumyacht) mit Schweizer Flagge ist es vertäut. Gott sei dank. Vreni und Patrik (wie sich später herausstellt) haben es gesehen und extra ihr eigenes Dingi wieder zu Wasser gelassen um unseres einzufangen.
Keine Anzeichen von (nicht unberechtigten) Fragen nach Finderlohn, stattdessen die Einladung kurz an Bord zu kommen. Ich bin hin und her gerissen, denn eigentlich sitzen wir ja auf der Pancho (Anke ja immer noch) trotzdem nehme ich die Einladung an – schließlich haben die beiden unser Dingi gerettet, da will ich nicht unhöflich sein.
Thomas fährt zurück und ich komme mit den beiden ins Gespräch. Die Sympathie wächst offensichtlich auf beiden Seiten und unser Gespräch entwickelt sich immer weiter im selben Maße wie mein schlechtes Gewissen unseren Gastgebern gegenüber.
Viel zu spät verabschiede ich mich mit der Einladung doch morgen auf ein Getränk auf Lili zu Besuch zu kommen, alternativ das Angebot ein paar Bier als Dank vorbei bringen.
Als ich dann wieder bei der Pancho anlande ist Anke schon weg. Thomas hat sie bereits rüber zur Lili gebracht. Ich entschuldige mich für mein Versacken auf der Libra und wir verabreden uns für Morgen.

Am Morgen fahren wir mit dem Dingi zum einkaufen in den Supermarkt und schauen kurz bei der Libra vorbei. Ja die beiden wollen zum Sundowner bei uns vorbeischauen. Später kommt Thomas kurz vorbei und erzählt das sie morgen in eine andere Bucht aufbrechen wollen, ja auch wir wollen langsam aus der Bucht von Le Marin raus, es ist einfach furchtbar voll und das Wasser ist schmutzig, so dass man sich das baden gehen gerne verkneift.
Gegen Abend kommen Vreni und Patrick vorbei und wir sitzen bis in die Nacht im Cockpit. Die beiden erzählen uns vom bevorstehenden Karneval in Dominica und wir beide sind sofort Feuer und Flamme. Am nächsten Morgen erzählen wir Tina und Thomas davon, die beiden haben sich aber bereits mit einer anderen deutschen Yacht verabredet und wollen nicht nach Dominica segeln. So trennen sich erst einmal unsere Wege, aber man läuft sich sowieso immer wieder über den Weg.

_1080102Am nächsten Tag gehen wir gemeinsam mit der Libra Anker auf und segeln mit Backstagsbrise nur unter Genua vorbei am Rocher de Diamant in die Petite Anse Darlet. Der Anker fällt und sofort hüpfen wir erst einmal ins 28 Grad warme kristallklare Wasser. Ja, so kann man es aushalten…

Nach einer ruhigen Nacht vor Anker geht es dann weiter nach St.Pierre. Diesmal unter Vollzeug. Karibiksegeln vom allerfeinsten :-) . Nach einem kurzen Bad fahren wir mit dem Dingi an Land um uns den kleinen Ort anzuschauen und haben unsere erste Begegnung mit dem karibischen Karneval. Unter ohrenbetäubend lauter Musik ziehen die kostümierten Gruppen durch den Ort. Leider haben wir damit gar nicht gerechnet und deshalb nur unsere kleine Kamera dabei…

Nach dem Ausflug geht es zurück zum Schiff und wir machen alles klar zum auslaufen, morgen soll es früh losgehen nach Dominica, wir sind schon sehr gespannt auf die Insel.